Feuerspucken

Einführung

Manche mögen es, manche hassen es!

Gaby Keast

So in etwa hatte Gaby Keast (Jongliermagazin „Kaskade“) ihre Einschätzung zum Feuerspucken formuliert.
Das mag stimmen – im Internet ist allerdings eine stark zunehmende Tendenz von Feuer-Interessierten zu verzeichnen. Die Feuerspucker erobern ein neues Medium? Jein. Aber es macht Spaß und es verbessert die Kommunikation zwischen den Aktiven und Interessierten. Doch nun zum Thema: Was ist Feuerspucken überhaupt?

Versuch einer Definition: 

Beim Feuerspucken wird eine besonders geeignete, brennbare Flüssigkeit (Fluid) aus dem Mund in Form eines Sprühnebels in eine offene Flamme gespuckt. An der Flamme entzündet sich der Nebel und es läuft eine chemische Reaktion ab, die ein imposantes Ergebnis zur Folge hat.

Material

Für eine Vorführung bzw. zum Üben der Feuerspuck-Technik sind nur wenige Materialien notwendig. In der folgenden Liste sind die notwendigsten zusammengestellt. Optional empfiehlt es sich allerdings, einen Lappen und Brandsalbe oder -gel bereit zu halten. Mit dem Lappen kann man sich die Mundpartie und das Kinn abwischen, falls sich beim Versprühen des Fluids dort etwas niederschlägt. Die Brandsalbe ist nur für den Fall der Fälle. Ein Verbrennen beim Feuerspucken ist bei sachgemäßem Umgang allerdings unwahrscheinlicher als beim Feuerschlucken.

Materialien im Überblick:

  •  Fackeln
  •  Feuerspuckerfluid
  •  Feuerquelle
  •  Fackelflüssigkeit
  •  Tränkgefäß

Warnung:

Es darf nur mit Spezialpräparaten Feuer gespuckt werden. Brennmittel wie Benzin oder Diesel sind lebensgefährlich!

Anstelle von Feuerspuckfluid können auch Bärlappsporen zum Feuerspucken verwendet werden.

Lycopodium (Bärlappsporen)

Als Lycopodium werden die Sporen des Bärlapps (Lycopodium clavatum) bezeichnet. Bärlapp ist mit etwa 400 Unterarten heute weltweit verbreitet und steht in Europa unter Naturschutz. In den Sporenkapseln des Bärlapps befindet sich der feine Sporenstaub, der im Volksmund auch Hexenmehl oder Blitzpulver genannt wird.

Lycopodium zum Feuerspucken

Die Sporen sind sehr klein, nur etwa 35 µm im Durchmesser. Das Sporenpulver ist leicht, blassgelb, geruchlos und geschmacklos. Es ist sehr leicht entzündlich und wird daher beim Feuerspucken und Tischfeuerwerken eingesetzt.
Heute wird Bärlapp im großtechnischen Stil vorwiegend in China und Nepal angebaut. Für die Pyrotechnik ist das dort gewonnene Pulver interessant, da aus dem hohen Gehalt ätherischer Öle und der reinen Qualität ein hervorragendes Brennverhalten resultiert wird.

Verwendung:

Beim Feuerspucken wird das Pulver in den Mundraum gebracht (Einatmen vermeiden!) und dann wie beim herkömmlichen Feuerspucken in eine Flamme gesprüht. Viele Feuerspucker benutzen kleine mit Lycopodium gefüllte Gefäße (Röhrchen usw.) und blasen das Pulver so in die Flamme.

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Lycopodium wird vorwiegend für die Erzeugung von Feuerbällen, Flammensäulen und Stichflammen verwendet. Es wird dabei in der Luft verwirbelt und benötigt eine sehr geringe Zündenergie (Glühfaden, Funken oder kleine Flamme). Beim Abbrand entwickelt sich verhältnismäßig wenig Rauch. Der Einsatz von Lycopodium ist relativ einfach, denn das Pulver muss lediglich aufgewirbelt werden, um mit dem Luftsauerstoff ein brennbares Gemisch zu erzeugen.

Gefahren:

In der Luft verwirbeltes Lycopodium ist explosiv (Staubverpuffung). Zum Verwirbeln sollte zudem kein reiner Sauerstoff verwendet werden. Darüber hinaus können Bärlappsporen allergische Reaktion verursachen. Daher sollte bei der Verwendung in geschlossenen Räumen für eine gute Belüftung gesorgt werden.

Das Kraut des Bärlapps ist giftig, das Pulver in kleinen Mengen hingegen ungiftig. Eine gesundheitliche Gefahr besteht allerdings dann, wenn die feinen Sporen beim Einatmen in die Atemwege (Bronchien/Lunge) gelangen. Diese feinstaubigen Partikel führen im Lungengewebe zu Verkapselungsreaktionen, so genannte Fibrosen, die lebensgefährliche Reaktionen nach sich ziehen können.

Preis und Bezugsquellen:

Lycopodium ist in der Apotheke erhältlich und kostet etwa 8 Euro je 100 Gramm. Und natürlich auch bei amazon.

Technik

Beeindruckendes Feuerspucken bedarf einiger Übung. Der Anreiz ist allerdings, dass sich bereits nach kurzer Zeit imposante Ergebnisse einstellen. Voraussetzung (und leider auch das größte Problem) ist die Angstüberwindung. Feuerspucken ist toll, aber Feuerspucken ist auch gefährlich.

Feuerspucken funktioniert, weil das Feuerspucker-Fluid unter hohem Druck aus dem Mundraum durch die zusammengedrückten Lippen nach außen (und vorne) gestoßen wird. Aufgrund der Düsenwirkung entsteht so ein feiner Sprühnebel, der Voraussetzung ist, damit sich das Fluid an einer Flamme entzünden kann. Das Erzeugen des Sprühnebels kann sehr gut mit Wasser (beispielsweise unter der Dusche) geübt werden. Die Richtung des Sprühnebels kann man durch Verschieben der Lippen zueinander beeinflussen. Um den ausgestoßenen Sprühnebel zu entzünden, wird eine brennende Fackel in etwa 50 cm Abstand vor das Gesichtsfeld geführt.

Dabei ist zu beachten, dass das Fluid in die Flamme über der Fackel und nicht auf die Fackel gespuckt wird. Ansonsten könnte die Fackel erlöschen. Nach einer initialen Entzündung des Sprühnebels läuft die Verbrennugn des Fluids selbsttätig in einer Kettenreaktion ab, und die Fackel kann an die Seite oder nach unten weg bewegt werden. Ein Rückschlag der Flammen ins Gesicht ist ausgeschglossen aufgrund der Düsenwirkung der Lippen. Das flüssige Fluid im Kinnbereich, dass sich möglicherweise dort abgelagert hat, kann sich nicht entzünden, da es zu reaktionsträge ist und eine hohe Luftdurchmischung (wie beim Sprühnebel) benötigen würde.

Achtung:

Der Wind spielt eine entscheidende Rolle beim Feuerspucker. Bitte unbedingt darauf achten, dass es windstill ist. Bei leichten Brisen sollte der Feuerspucker den Wind im Rücken behalten.

Chemischer Hintergrund

Fluids zum Feuerspucken gehen im Allgemeinen auf Petroleumbasis zurück und sind reaktionsträge. Fluid ist erst dann schnell brennbar, wenn es mit genügend Luft (Sauerstoff) durchmischt wird. Nach einer initialen Entflammung läuft die Verbrennung des Fluids selbstständig ab.

Die Farbe der Fluidflamme kommt durch das Aufglühen der Kohlenstoffteilchen im Innern der einzelnen Fluidtröpfchen zustande. Je feiner der Sprühnebel, desto besser kann die Verbrennung ablaufen! Aufgrund der Düsenwirkung der Lippen, durch die das Fluid gepresst wird und die Reaktionsträgheit ist ein Rückstoß der Flammen ins Gesicht oder gar in den Mundbereich ausgeschlossen. Vorausgesetzt, es handelt sich um Feuerspucker-Fluid.

Warnung:

Es darf nur mit Spezialpräparaten Feuer gespuckt werden. Brennmittel wie Benzin oder Diesel sind lebensgefährlich!

Lerntipps

Alle Theorie zum Thema Feuerspucken mag schön sein und plausibel klingen, doch zum Erlernen der Technik und für die ersten Auftritte ist es gut, ein bisschen Hilfestellung zu bekommen.

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